Morning Chronicle - Das Formel-1-Reife(n)zeugnis: Singapur

London -

IN DEN NEWS

Das Formel-1-Reife(n)zeugnis: Singapur
Das Formel-1-Reife(n)zeugnis: Singapur / Foto: ROSLAN RAHMAN - SID

Das Formel-1-Reife(n)zeugnis: Singapur

Max Verstappen dominiert weiter, Kimi Antonelli steht vor der Krönung - und bei Ferrari sorgt mal wieder die Strategie für viel Ärger. Auch wenn beim Großen Preis von Singapur nicht viel Action auf der Strecke geboten war, lieferte das Nachtrennen genügend Gesprächsstoff. Die Erkenntnisse der 17. WM-Station:

Textgröße:

MAX VERSTAPPEN: Am Ende konnte der Niederländer über die vermeintlich einzige Schwierigkeit bei seinem 250. Grand Prix lachen. "Vielleicht war er ja froh", sagte Verstappen in Richtung seines Renningenieurs Gianpiero Lambiase, "dass es nicht geklappt hat." Doch auch die fehlerhafte Funkverbindung an die Red-Bull-Box war kein Problem, mit einer dominanten Fahrt sicherte sich der viermalige Weltmeister seinen ersten Sieg auf dem Stadtkurs. Geht nach dem zweiten Erfolg im Titelrennen also doch noch was? "Wir haben in der Meisterschaft eigentlich nichts mehr zu gewinnen, Kimi ist meilenweit voraus", sagte Verstappen angesichts seines Rückstands von 119 Punkten auf Antonelli. Deshalb wolle er einfach bis Saisonende "Spaß haben" und weitere Siege einsammeln. Mit Red Bull hat er davon jetzt 73 - und damit einen mehr als Michael Schumacher mit Ferrari.

KIMI ANTONELLI: In den Augen der Kritiker und Fans ist dem 20-Jährigen der erste Titel in der Formel 1 ja schon lange nicht mehr zu nehmen. Doch nach seinem überraschenden dritten Platz sicherte sich Antonelli nun ganz offiziell den ersten WM-Matchball. "Kimi, es ist soweit", titelte prompt die heimische Gazzetta dello Sport. "Ich weiß, dass es ganz nah ist, ich weiß, dass es da ist", sagte Antonelli, "aber ich muss einfach sicherstellen, dass ich weiterhin mein Bestes gebe." 102 Punkte beträgt sein Vorsprung auf Mercedes-Teamkollege George Russell, Rekordweltmeister Lewis Hamilton liegt als Dritter schon 111 Zähler zurück. "Wenn ich meine Arbeit nicht gut mache, wird das Ergebnis ausbleiben", sagte Antonelli: "Um also das zu erreichen, was ich mir vorgenommen habe, muss ich Leistung bringen – so einfach ist das."

LEWIS HAMILTON: "Sorry, Jungs. Ich habe euch mit dieser Strategie im Stich gelassen", funkte der Brite an die Ferrari-Box. Weil Hamilton eine Virtuelle Safety-Car-Phase nicht für einen Reifenwechsel genutzt hatte, purzelte er in der Endphase auf abgenutzten Softs vom Podium bis auf Platz sechs zurück - und sorgte so für mächtig Frust bei der Scuderia. Die hatte schließlich sowohl Hamilton als auch Teamkollege Charles Leclerc in Runde 39 an die Box beordert. Doch im Gegensatz zum Monegassen, der am Ende hinter Verstappen Zweiter wurde, blieb Hamilton draußen. "Im Rahmen des VSC hat mich das Team reingerufen, aber ich habe die Einfahrt verpasst", ließ Hamilton später ausrichten, nachdem er sich aufgrund von Unwohlsein nicht den Fragen der Journalisten hatte stellen müssen. Es sei eine "schmerzhafte Lektion" gewesen.

NICO HÜLKENBERG: Nach Platz sieben im Sprint ließ der Emmericher im Grand Prix einen achten Rang folgen, hielt dabei sogar Russell im Mercedes hinter sich. Sechs Punkte in Singapur "seien eine großartige Belohnung für die harte Arbeit aller", sagte Hülkenberg: "Das Team hat nie nachgelassen und sich dieses Ergebnis wirklich verdient." Im engen Mittelfeld der Konstrukteurs-WM robbte sich Audi damit bis auf sieben Zähler an Haas auf dem siebten Rang heran. "Wir werden diesen Erfolg genießen, neue Energie tanken", sagte Hülkenberg, "und uns auf Austin vorbereiten."

T.Matthews--MC-UK