"Ich bin der Schwindel-Jäger": Trump weist Sicherheitswarnungen wegen KI zurück
US-Präsident Donald Trump hat Sicherheitsbedenken wegen der rasanten Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) erneut zurückgewiesen. Es gebe eine "kranke Verschwörung" gegen KI und die dafür nötigen Rechenzentren, schrieb Trump am Montag in seinem Onlinedienst Truth Social. Sich selbst bezeichnete der Präsident als "Schwindel-Jäger" und beste Kontrollinstanz. Derweil veröffentlichte der US-Konzern Microsoft einen KI-Verhaltenskodex.
"Ich bin der Schwindel-Jäger", schrieb Trump am Montag bei Truth Social. "Gerade entlarve ich einen weiteren Schwindel - nämlich, dass die KI die Welt übernehmen, verschlingen und zerstören wird und dass Roboter in unsere Städte einmarschieren und uns alle auslöschen werden!"
Die Befürchtungen wegen KI verglich Trump zudem mit Warnungen wegen des Klimawandels sowie mit den Ermittlungen während seiner ersten Amtszeit wegen Verbindungen zu Russland. "Das ist noch abwegiger als der Russland-, Russland-, Russland-Schwindel oder der Schwindel mit der globalen Erwärmung", fügte er hinzu.
In der Russlandaffäre hatte Trump jahrelang im Visier der Justiz gestanden. Der allerdings erst 2017 - also während Trumps erster Amtszeit - vom Justizministerium eingesetzte Sonderermittler Robert Mueller untersuchte, ob Trumps Wahlkampfteam 2016 zum Schaden der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton mit Russland zusammengearbeitet hatte.
Bereits vor seinen jüngsten Äußerungen zu KI hatte Trump erklärt: "Die einzige Kontrolle oder 'Leitplanke', die KI braucht, ist ein starker und kluger (hoher IQ!) Präsident." Er begründete seine Absage an staatliche Auflagen erneut mit dem Wettrennen der USA gegen China. "Wer auch immer bei KI gewinnt, gewinnt", erklärte er.
KI-Skeptiker verunglimpfte Trump unter anderem als "Verschwörungstheoretiker" und "Verräter". "Dass KI die Welt übernimmt, die Menschheit vernichtet und all diese anderen schlimmen Dinge tut, ist ein Schwindel", schrieb er auf Truth Social.
Der Präsident kritisierte zugleich den Chef des KI-Unternehmens Anthropic, Dario Amodei. Dieser hatte zu einer langsameren Entwicklung von Künstlicher Intelligenz aufgerufen und dies mit "gravierenden" Risiken der Technologie für die Menschheit begründet. Unterstützung erhielt Amodei vom Chef des Konkurrenzunternehmens OpenAI, Sam Altman, und dem Techunternehmer Elon Musk.
Auch UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk forderte am Montag Maßnahmen zur Eindämmung der Technologie. In einem Brief an Regierungen und führende KI-Unternehmen warnte er vor "beispiellosen Risiken". Regierungen und Unternehmen müssten nun dringend in multilateralen Foren "einen Aktionsplan zur Regulierung" der modernsten KI-Modelle festlegen, erklärte Türk.
Trump hatte Negativ-Szenarien bereits am Rande seines Irlands-Besuchs am Wochenende zurückgewiesen. Vizepräsident JD Vance, der enge Verbindungen zum Silicon Valley hat, nannte es "seltsam, dass so viele führende KI-Technologieunternehmen zur Regierung kommen und sie förmlich anflehen, sie zu regulieren". Auf ihn wirke das "wie ein Trojanisches Pferd", sagte er zu Journalisten.
Inmitten der wachsender Bedenken wegen einer unkontrollierbaren KI veröffentlichte Microsoft am Montag einen "humanistischen Verhaltenskodex für KI". "KI sollte die nicht die Kontrolle durch den Menschen überschreiten", hieß es darin. "Modelle sollten der Menschheit untergeordnet bleiben." Der Leitgedanke des Dokuments lautet nach Angaben des Unternehmens: "Menschen sind wichtiger als KI".
Die Sicherheitsbedenken hatten zuletzt stark zugenommen. Im Juli hatte OpenAI mitgeteilt, dass sich ein KI-Agent während eines Sicherheitstests selbständig mit dem Internet verbunden und einen Hackerangriff auf die Programmierplattform Hugging Face unternommen habe. Es habe sich um einen "nie dagewesenen Cybervorfall" gehandelt, erklärte das Unternehmen damals.
Der Vorfall ereignete sich laut OpenAI bei einem Testlauf mehrerer leistungsfähiger KI-Modelle. Zur Sicherheit war bei dem Test der Internetzugang eingeschränkt - doch dem Agenten gelang es, eigenständig ins Netz zu gelangen und den Cyberangriff zu starten.
Doch nicht nur dieser Vorfall schürte die Sorgen. Immer mehr US-Bürger stehen Rechenzentren wegen ihres immensen Energieverbrauchs mittlerweile skeptisch gegenüber. Die KI-Rechenzentren spielen wegen des KI-Booms eine immer wichtigere Rolle und sind zu einem wichtigen Thema bei den entscheidenden US-Zwischenwahlen im November geworden.
Aus den Reihen der oppositionellen Demokraten kam Kritik an der Haltung der Trump-Regierung. Der Mehrheitsführer der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, sagte: "Die Alarmglocken läuten lauter denn je – und die Trump-Regierung sieht weg." Wenn die Regierung nicht handele, müsse der Kongress es tun.
Bis mindestens zu den Zwischenwahlen am 3. November ist allerdings keine Initiative zu erwarten. Bisher haben Trumps Republikaner in beiden Kongresskammern eine knappe Mehrheit.
A.Smith--MC-UK