Beauftragte Ataman: Wechseljahre müssen raus aus der Tabuzone
Die Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, Ferda Ataman, hat mehr Sensibilität und Beachtung für das Thema Wechseljahre gefordert - und zwar im Gesundheitsbereich, am Arbeitsplatz und in der Forschung. "Das Thema Frauengesundheit wurde lange vernachlässigt. Im Mittelpunkt der medizinischen Forschung stand der Mann", erklärte Ataman am Dienstag. Wie wenig das Wohlbefinden von Frauen medizinisch beachtet werde, sei "gut am Beispiel der Wechseljahre erkennbar".
Jede Frau sei früher oder später davon betroffen, noch immer seien die Wechseljahre und deren Auswirkungen auf den Alltag und den Beruf aber "vielfach tabuisiert", beklagte Ataman. Sie stellte nun Handlungsempfehlungen vor, um einer Diskriminierung von Frauen in den Wechseljahren vorzubeugen und schlug vor, eine nationale Strategie zu entwickeln.
Nötig sei etwa eine bessere Gesundheitsversorgung - das Thema sei dafür noch zu wenig im Medizinstudium und der gynäkologischen Ausbildung verankert. Außerdem müssten sich Unternehmen besser auf Frauen in den Wechseljahren einstellen, etwa mit flexiblen Arbeitszeiten bei Schlafproblemen, bei der Raumtemperatur und den Toiletten. Die Forschung müsse ebenfalls gestärkt werden und eine bundesweite Infokampagne solle über die Wechseljahre aufklären.
Möglicherweise seien auch "gesetzliche Klarstellungen erforderlich", fuhr Ataman fort. Dazu müsse geprüft werden, inwieweit Benachteiligungen aufgrund der Wechseljahre bereits vom Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) erfasst sind.
Den Angaben zufolge befinden sind derzeit rund elf Millionen Frauen in den Wechseljahren, sie betreffen grundsätzlich 50,7 Prozent der Bevölkerung. Bei vielen Frauen ist die Phase ein längerer Prozess. Die Wechseljahre seien "ein natürlicher Lebensabschnitt, vergleichbar mit der Pubertät", heißt es in den von Ataman vorgelegten Handlungsempfehlungen. "Doch während über diese in der Schule und in jedem Elternratgeber aufgeklärt wird, herrscht über die Wechseljahre oft Schweigen."
Das führe dazu, dass auch vielen Betroffenen das Grundwissen über die Symptome fehle. Dazu gehören neben Änderungen des Zyklus etwa Schlaflosigkeit, Gelenkschmerzen, Gereiztheit, Inkontinenz und Hitzewallungen.
C.Griffiths--MC-UK